Aktuelle
Ausgrabung
Riehen-Inzlingerstrasse

RIEHEN, 1300 v. CHR

Ein Dorf aus der Bronzezeit

Die Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt ist eine kantonale Fachstelle. Sie setzt sich für die Sicherung und die Pflege des archäologischen Erbes des Kantons ein.
Seit April 2020 führt sie eine Rettungsgrabung an der Inzlingerstrasse 51-53 durch.

Blick auf die aktuelle Ausgrabung. Bis zur Entdeckung der bronzezeitlichen Siedlung im Jahr 2018 waren aus dem Gemeindegebiet von Riehen aus dieser Epoche nur wenige Funde bekannt. Foto: Adrian Jost.
Impressionen von der Grabung
Blick auf die aktuelle Ausgrabung an der Inzlingerstrasse 51-53 nach Abbruch der ersten Gebäude der Gehörlosen- und Sprachheilschule Riehen. Foto: Adrian Jost.
Blick auf die aktuelle Ausgrabung. Bronzezeitliche Häuser waren aus Holz und Lehm gebaut. Diese Bauweise macht es schwierig, solche bronzezeitlichen Siedlungen überhaupt aufzufinden. Einzig schwache Verfärbungen im Boden zeigen mögliche Standorte von Hauspfosten und -wänden an. Ob es sich tatsächlich um Bebauungsspuren handelt, zeigt sich oft erst beim Ausgraben der Schichten. Da die Spuren beim Austrocknen des Bodens verblassen, werden sie mittels Kalkspray markiert. Foto: Adrian Jost.
Das Beispiel zeigt einen Schnitt durch eine Pfostengrube. Nachdem der Pfosten entfernt worden war, wurde diese Grube mit Geröllen verfüllt. Meist sind solche Pfostengruben aber viel schlechter sichtbar, weil ihre Verfüllung nur aus Erdmaterial besteht, das sich kaum von seiner Umgebung unterscheidet. Foto: Adrian Jost.
Nebst den Pfostengruben kam auch sogenannter Hüttenlehm zum Vorschein. Dabei handelt es sich um Lehm von Gebäudewänden oder von einer Herdstelle, der durch Hitzeeinwirkung verziegelt ist und deshalb erhalten blieb. Er ist ein Indiz für hier ehemals bestehende Gebäude. Foto: Adrian Jost.
Impressionen von der Grabung
In den bronzezeitlichen Schichten haben sich nur selten grössere Gefässbruchstücke erhalten, meist handelt es sich um einzelne Scherben. Zu erkennen ist hier der unterste Teil eines Topfes, der unter dem Druck der Erde in einzelne Scherben zerbrochen ist. Foto: Adrian Jost.
Die Scherben des Topf nach der Bergung. Foto: Adrian Jost.
Am Haselrain wurden 2018 ebenfalls zahlreiche Funde geborgen: Hunderte von Gefässfragmenten, wenige Steinwerkzeuge und ein kleines Bronzeobjekt. Anhand dieser Funde kann die Siedlung in die Übergangszeit von der Mittel- zur Spätbronzezeit (ca. 1300 v. Chr.) datiert werden. Foto: Philippe Saurbeck.
Am Haselrain wurden 2018 zahlreiche Funde geborgen: In einer runden Eintiefung lagen mehrere Schichten aus stark verbrannten Keramikscherben. Darunter befanden sich sowohl Fragmente von grossen, dickwandigen Gefässen als auch dünnwandige Keramikscherben mit feinen Rillenverzierungen. Foto: Philippe Saurbeck.
Die Funde vom Haselrain werden zurzeit gereinigt, inventarisiert und konserviert. Foto: Philippe Saurbeck.
In der bronzezeitlichen Kulturschicht wurde zudem eine steinerne Pfeilspitze gefunden. Auch in der Bronzezeit wurden weiterhin Geräte aus Stein hergestellt, obwohl die Metallverarbeitung inzwischen praktiziert wurde. Die Silexknollen, aus denen Steinwerkzeuge gehauen wurden, waren meist– wie auch in Riehen – lokal zu finden und damit sicher eine „günstige“ und altbewährte Alternative zur Bronze. Um Bronzeobjekte herzustellen mussten nämlich erst noch Kupfer und Zinn von weither herbeigeschafft werden. Foto: Adrian Jost.

Hier graben wir aus

Inzlingerstrasse 51-53
CH-4125 Riehen

Im Jahr 2018 stiess die Archäologische Bodenforschung auf der Nachbarsparzelle (Haselrain 20–24) unerwartet auf die Reste einer bisher unbekannten Siedlung aus der Bronzezeit (ca. 1300 v. Chr.). Da das 10‘000 m2 grosse Areal der ehemaligen Gehörlosen- und Sprachheilschule in Kürze neu überbaut wird, führt die Archäologische Bodenforschung vorgängig eine Rettungsgrabung durch.

Wegen der Nähe zur bronzezeitlichen Siedlung auf der Nachbarsparzelle wurden bereits im Mai 2019 auf dem ehemaligen Schulareal archäologische Sondierungen durchgeführt. Dabei kamen in drei Sondierschnitten Scherben bronzezeitlicher Keramik zum Vorschein. Dies bedeutet, dass auch in der aktuellen Ausgrabungsfläche Reste der bronzezeitlichen Siedlung zu erwarten sind. Die Untersuchungen bieten deshalb die Chance, mehr über das Leben der Menschen zu erfahren, die sich hier vor 3300 Jahren niederliessen. Die Fundstelle ist von nationaler Bedeutung, da schweizweit nur wenige Fundorte aus dem Übergang der Mittelbronze- zur Spätbronzezeit bekannt sind.

Der Platz für die Siedlung war bewusst gewählt: Auf der Niederterrasse über der Wiese waren die Bewohnerinnen und Bewohner vor dem Hochwasser der Wiese geschützt; gleichzeitig war der Fluss aber auch als Transportweg zugänglich. Zwei Bäche, die von den Hängen im Osten kamen und heute nicht mehr sichtbar sind, brachten genügend Wasser zur Siedlung. Ausserdem gab es auf den Höhenzügen in unmittelbarer Nähe (etwa der Bischoffhöhe) fruchtbare Lössvorkommen, die sich hervorragend für den Ackerbau eignen. (Löss ist ein während der Eiszeit abgelagertes, feinkörniges und sehr fruchtbares Sediment).

Die Fundstelle am Haselrain zeigt anschaulich, welche Auswirkungen menschliche Tätigkeiten auf die Umwelt hatten. Um Ackerflächen und Weiden zu erhalten, begannen die Menschen hier während der Bronzezeit den Wald grossflächig zu roden. Das führte zu einer massiven Erosion der Lösshänge. In der Folge wurden die Überreste der aufgegebenen, bronzezeitlichen Siedlung im Laufe der Jahrhunderte mit einer 1.40 Meter mächtigen Lössschwemmschicht überdeckt und haben sich darum besonders gut erhalten.

Bereits zu Beginn der Grabung wurden die ersten Schichten mit bronzezeitlichen Keramikscherben freigelegt. Immer wieder waren dabei kleine Gruben in der Erde zu erkennen. Darin standen einst hölzerne Pfosten, die von Wohngebäuden oder Wirtschaftsbauten stammen. Die Pfosten sind nicht mehr vorhanden, da sie entweder bereit in der Bronzezeit entfernt wurden oder sich in der Erde restlos ersetzt haben. Weitere Hinweise auf Gebäude liefert mitunter auch Lehm, der durch Hitzeeinwirkung verziegelt, d.h. hart gebrannt ist und von Hauswänden oder einer Herdstelle stammt.

Über die Ausdehnung dieser bronzezeitlichen Siedlung lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch wenig sagen: Es scheint, dass die Befunde im Nordwesten der Grabungsfläche (gegen den Kettenackerweg zu) ausdünnen.

Die bronzezeitlichen Schichten werden von einer bis zu 1.20 m mächtigen Lösslehmschicht überdeckt. Zu Grabungsbeginn gingen wir davon aus, dass diese Schicht durch grossflächige Waldrodungen in der Bronzezeit und eine dadurch bedingte massive Erosion der Lösshänge entstanden ist. Überraschenderweise fanden sich nun aber zuunterst in dieser Schicht auch Ziegel und Eisenobjekte aus römischer Zeit. Dies legt aktuell nahe, dass die Ablagerung des Lösses erst deutlich später stattgefunden hat.

Spannend sind die dabei neu entdeckten römischen Fundstücke, die von einer bisher unbekannten römischen Villa in der Nähe stammen könnten. Römische Villen wurden meist in sanfter Hanglage erbaut. Aus Riehen kennt man bisher drei Villen: eine beim Hörnlifriedhof, eine im Hinterengeli und eine beim Artelweg. Zudem gab es noch einen Tempel beim Pfaffenloh und vermutlich auch auf dem Maienbühl. Wer mehr darüber wissen möchte, erfährt hier weiteres:

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Die Ausgrabung dauert voraussichtlich bis Herbst 2020.

Am Haselrain befindet sich eine Besucherplattform mit Informationstafeln und Sicht auf die Grabung.

Im Rahmen der Europäischen Archäologietage führte der Kantonsarchäologe Guido Lassau am 19. Juni live über die Grabung in Riehen.

Wer die Führung verpasst hat, kann sie ab sofort hier nachschauen:

 

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Der berühmte Musiksaal von Johann Jacob Stehlin (1826–1894) befindet sich an einem Ort, der einst an der Peripherie der mittelalterlichen Stadt lag. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich hier die Kulturmeile im Zentrum Basels. Bei der archäologischen Ausgrabung wurden bis in eine Tiefe von sieben Metern Zeugnisse der wechselvollen Geschichte der Stadt freigelegt.

In unmittelbarer Nachbarschaft zu diesem geschichtsträchtigen Ort standen bereits vor rund tausend Jahren erste hochmittelalterliche Gebäude. Die nachfolgende Errichtung der ersten beiden Stadtbefestigungen Basels markierte hier für lange Zeit die Grenze der mittelalterlichen Stadt. Um 1250 entstand das Kloster der Barfüssermönche, von dem heute nur noch die Barfüsserkirche sichtbar ist. Diese wurde als Ersatz für den ersten Kirchenbau nach 1275 errichtet. Nach der Reformation wurde der Kreuzgarten als Friedhof und ein Teil der Klostergebäude als „Irrenhauses“ genutzt. Im 19. Jahrhundert wurde das Kloster abgerissen und an der Stelle des Kreuzganges entstanden eine Zollstation und schliesslich das erste Konzerthaus der Schweiz mit dem Musiksaal.

Die Mitarbeitenden der Archäologischen Bodenforschung haben die im Boden erhaltenen Zeugnisse dieser spannenden Entwicklungen Schicht für Schicht aufgedeckt und sie bereits während der Grabung einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Die Ausgrabungsarbeiten stiessen auf ein enormes Interesse in der Öffentlichkeit. Die Medien berichteten in 25 Presseartikeln sowie sechs Fernseh- und Radiobeiträgen über die archäologischen Funde. Knapp 4000 Personen besichtigten die freigelegten Klostergebäude und Gräber im Kreuzgarten anlässlich von über 70 Führungen. Die nun vorliegende Publikation kommt dem Wunsch der Grabungsbesucherinnen und -besucher nach, sich vertieft mit der Geschichte des Ortes auseinanderzusetzen. Das Buch zur Ausgrabung erscheint bereits fünf Monate vor der am 22. August 2020 geplanten Wiedereröffnung des Stadtcasino Basel.

Fachautorinnen und -autoren aus der Archäologie, Anthropologie, Kunstgeschichte und Geschichte erläutern die Ausgrabung unter dem Stadtcasino. Sie liefern spannende Informationen zur Geschichte des Musiksaals, ermöglichen neue Einblicke ins Armen- und Spitalwesen der frühen Neuzeit und vermitteln die akribische und interdisziplinäre Arbeitsweise der Archäologie. Besonders eindrücklich wird dies bei den Untersuchungen der Bestattungen im Kreuzgarten, wie unter anderem die ersten anthropologischen Auswertungsergebnisse einer Mehrfachbestattung vom nachreformatorischen Friedhof zeigen.

Diese spannende Zeitreise wird in der reich illustrierten Publikation mit Plänen, Modellen und grossformatigen Fotografien ansprechend veranschaulicht.

Archäologische Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt (Hg.)
1000 Jahre Basler Geschichte.
Archäologie unter dem Musiksaal des Stadtcasino Basel

214 Seiten, 77 meist farbige Abbildungen, gebunden, 17 x 24 cm
© Christoph Merian Verlag und Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt

CHF 36.- / EUR 34.-
ISBN 978-3-85616-922-0

Entdecken Sie mit der reich illustrierten Publikation zur archäologischen Ausgrabung im Stadtcasino Basel die spannende und wechselvolle Geschichte der Stadt.

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Entdecken Sie mit der reich illustrierten Publikation zur archäologischen Ausgrabung im Stadtcasino Basel die spannende und wechselvolle Geschichte der Stadt. Foto: Philippe Saurbeck.
Fotografische Dokumentation eines ca. 2,70 m tiefen, gemauerten und mit einem wasserdichten Ziegelschrotmörtel verputzten Schachtes, der im Hof des Almosens stand. Foto: Philippe Saurbeck.
Der Kreuzgang des zweiten Klosters in der Zweitnutzung als Almosen auf einer Lithografie von R. Rey, wohl Anfang 19. Jahrhundert. Bild: StABS BILD 6, 1137.
Fragment einer tönernen Tabakpfeife aus der Spätzeit des Almosens (19. Jh.) und ein 5 cm grosses Fragment einer Keramikfigur, das ein Jesuskind mit Taube zeigt. Foto: Philippe Saurbeck.
Ansicht des Konzertsaals beim Zionistenkongress 1905. Das Foto gibt einen Eindruck des Saal-Zustands 1876. Foto: StABS BSL 1012 383 (Alfred Kugler 1877–1937).
Fachautorinnen und -autoren aus der Archäologie, Anthropologie, Kunstgeschichte und Geschichte liefern spannende Informationen zur Geschichte des Musiksaals, ermöglichen neue Einblicke ins Armen- und Spitalwesen der frühen Neuzeit und vermitteln die akribische und interdisziplinäre Arbeitsweise der Archäologie.

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Die Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt ist eine kantonale Fachstelle. Sie setzt sich für die Sicherung und die Pflege des archäologischen Erbes des Kantons ein.

Eine Zeitreise durch 3000 Jahre Basel. Die App der Archäologischen Bodenforschung «Archaeo Tour».

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