Aktuelle
Ausgrabung
Spiegelhof

BASEL, 1100 n. Chr.

Ein frühes Handwerker-Viertel

Die Archäologische Bodenforschung führt seit Januar 2018 ein aussergewöhnliches Grabungsprojekt im Spiegelhof durch. Es ermöglicht uns Einblicke in ein frühes Handwerkerviertel, in dem vermutlich bereits seit dem 10. Jahrhundert Schuhmacher tätig waren, wie zahlreiche Lederfragmente belegen.

Aktuelle Impressionen von der Grabung.
Seit Januar 2018 untersucht die Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt den Bereich der nicht unterkellerten Einstellhalle des Spiegelhofs. Foto: Adrian Jost.
Bereits beim Bau des Verwaltungsgebäudes der Polizei 1937–1939 stiess man auf die Reste alter Holzbauten, die zu einem Handwerkerviertel aus dem 11. Jhd. gehören. Foto: Denkmalpflege BS, Foto Wehrli.
Dank des dauernd feuchten Bodens haben sich hier am Petersberg wie nirgendwo sonst in Basel organische Materialien wie z. B. Holz besonders gut erhalten. Foto: SGUF A0945.
Auch bei der aktuellen Ausgrabung konnten gut erhaltene Hausgrundrisse aus Holzbalken und Flechtwerk, das einst als Zaun gedient hatte, aufdeckt werden. Foto: Philippe Saurbeck.
Aktuelle Impressionen von der Grabung.
Die Balken werden auf der Grabung sorgfältig dokumentiert und später naturwissenschaftlich untersucht, um die Holzart bestimmen zu können. Foto: Philippe Saurbeck.
Zusammen mit zahlreichen bereits früher geborgenen Lederfragmenten belegt dieser Überrest eines Schuhes, dass in diesem Handwerkerviertel vermutlich bereits seit dem 10. Jhd. Schuster tätig waren. Foto: Philippe Saurbeck.
Nebst mehreren Lederabfällen von Schuhmacherarbeiten konnte bereits in der ersten Feuchtbodenschicht ein Lederschuh freigelegt werden. Foto: Philippe Saurbeck.

Führungen

Jeden Donnerstag um 12.30 Uhr

Abendführungen

Am 5. April, 3. Mai und 7. Juni 2018 um 17.30 Uhr

  • Treffpunkt: im Durchgang/Innenhof des Spiegelhofs, Basel
  • Dauer ca. 30 Minuten
  • Die Teilnahme ist kostenlos
  • Ohne Anmeldung
  • Führungen bis Ende Juni 2018
weitere Veranstaltungen

Hier graben wir aus

Spiegelhof
Spiegelgasse 12
CH-4051 Basel

Wegen des Umbaus des Spiegelhofs sind während den nächsten Monaten umfangreiche Rettungsgrabungen erforderlich. Unter dem Gebäude liegen bis zu 1,5 Meter archäologische Schichten, die bis in die römische Zeit zurückreichen und durch die Tiefersetzung der Einstellhalle zerstört werden.

Für den Bau des Spiegelhofs in den Jahren 1937 bis 1939 mussten am Petersberg zahlreiche Häuser weichen. Damit ging ein noch von der spätmittelalterlichen Baustruktur geprägtes Altstadtviertel mit engräumiger Bebauung und verwinkelten Gassen verloren. Beim Aushub der Baugrube entdeckte man fast 1000 Jahre alte Hausgrundrisse aus Holz, die sich dank einer in Basel seltenen Bodenbeschaffenheit (Feuchtboden) hervorragend erhalten haben. Diese Befunde sind für Basel und die Schweiz einzigartig, aber auch europaweit weitgehend ohne Parallelen. Sie gehören, wie zahlreiche Lederfragmente belegen, zu einem Handwerkerviertel aus der Frühzeit der mittelalterlichen Stadt, in dem vermutlich bereits seit dem 10. Jahrhundert Schuhmacher tätig waren. Das Viertel lag innerhalb der um 1080 durch Bischof Burkhard errichteten Stadtmauer. Unter den mittelalterlichen Holzbauten liegen zudem bis zu einem Meter mächtige spätrömische Schichten.

Beim aktuellen Umbauprojekt im Spiegelhof erwartet die Archäologische Bodenforschung weitere mittelalterliche Hausreste und erneut gut erhaltene Funde aus organischen Materialien wie Holz, Textilien oder Leder. Dank naturwissenschaftlicher Methoden wie der Archäobiologie und der Dendrochronologie, bei der mit Hilfe der Jahrringe das Fälljahr von Bauhölzern datiert wird, lassen sich zudem wichtige Erkenntnisse über die Umwelt- und Klimageschichte gewinnen, die uns einen Einblick in die Lebensumstände im mittelalterlichen und spätantiken Basel ermöglichen.

Die Ausgrabungen dauern voraussichtlich bis Ende Dezember 2018.

Für den Bau des Spiegelhofs in den Jahren 1937 bis 1939 mussten am Petersberg zahlreiche Häuser weichen. Damit ging ein noch von der spätmittelalterlichen Baustruktur geprägtes Altstadtviertel mit engräumiger Bebauung und verwinkelten Gassen verloren. Bei der aktuellen Ausgrabung wurden die Fundamente des im Mittelalter erstellten Hauses zum Brunnen aufgedeckt.

Bei der Altgrabung in den 1930er Jahren wurden über 1000 Lederfragmente geborgen – hauptsächlich Überbleibsel von Schuhen sowie Verschnitte und Lederabfälle von Schuhmacherarbeiten. Auch bei der aktuellen Ausgrabung konnte bereits in der ersten Feuchtbodenschicht ein Lederschuh freigelegt werden.

mehr Infos

Die Schweiz feiert 2018 das Jahr des Kulturerbes. Mit zahlreichen Veranstaltungen wird ein Jahr lang das kulturelle Erbe landesweit in den Mittelpunkt gerückt. Das Kulturerbejahr steht unter dem Patronat von Bundesrat Alain Berset und findet statt im Rahmen des Europäischen Jahrs des Kulturerbes, das von EU und Europarat lanciert worden ist.

Die Archäologische Bodenforschung engagiert sich in der Rettung, Erhaltung und Vermittlung des archäologischen Erbes, eines wichtigen Teils des Kulturerbes des Kantons Basel-Stadt. Mit ihrer Vermittlungsarbeit ermöglicht sie die Teilhabe der Gesellschaft am kulturellen Erbe des Kantons. Deshalb stehen die diesjährigen Veranstaltungen auch unter dem Motto # Kulturerbe 2018:

mehr Infos
Aktuelle Impressionen von der Grabung.
Mit dem Bau des Spiegelhofes ging ein noch von der spätmittelalterlichen Baustruktur geprägtes Altstadtviertel mit engräumiger Bebauung und verwinkelten Gassen verloren. Foto: Denkmalpflege BS
Bei der aktuellen Ausgrabung wurden zahlreiche Steinfundamente dieser spätmittelalterlichen Bebauung am Petersberg freigelegt. Foto: Adrian Jost.
Die Fundamente des Hauses zum Brunnen, in dem sich seit dem 13. Jhd. eine sogenannte Trinkstube für Angehörige der Basler Oberschicht befand. Foto: Philippe Saurbeck.
Im 19. Jahrhundert, zu einer Zeit als ärmere Haushalte noch über kein eigenes Badezimmer verfügten, diente das Haus zum Brunnen als öffentliche Badeanstalt. Foto: StABS NEG 04953.
Die Hausgrundrisse werden detailliert dokumentiert, um möglichst viel über die Entwicklung des mittelalterlichen Handwerkerviertels und seine Bewohnerinnen und Bewohner zu erfahren. Foto: Adrian Jost.
Aktuelle Impressionen von der Grabung.
Der Fund dieses kleinen Spielzeugritters macht deutlich, dass die Gebäude am Petersberg nicht nur als Werkstätten, sondern auch als Wohnraum dienten. Foto: Philippe Saurbeck.
Dieser mittelalterliche Kamm aus Knochen diente wohl nicht nur zur täglichen Toilette, sondern auch zum Entfernen von Läusen und Nissen. Foto: Adrian Jost.

Wir sichern der Vergangenheit

die Zukunft

Die Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt ist eine kantonale Fachstelle. Sie setzt sich für die Sicherung und die Pflege des archäologischen Erbes des Kantons ein.

Eine Zeitreise durch 3000 Jahre Basel. Die App der Archäologischen Bodenforschung «Archaeo Tour».

Google Play App Store

Archäologische Bodenforschung
des Kantons Basel-Stadt
Petersgraben 11, 4051 Basel
+41 61 267 23 55
arch.bodenforschung@bs.ch

www.archaeologie.bs.ch