Aktuelle
Ausgrabung
Basel-Freie Strasse

FREIE STRASSE

Archäologische Blicke unter die Freie Strasse

Die Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt ist eine kantonale Fachstelle. Sie setzt sich für die Sicherung und die Pflege des archäologischen Erbes des Kantons ein.
In den Jahren 2020 bis 2024 werden in der Freien Strasse und deren Seitengassen verschiedene Werkleitungen saniert und auch ein neues Trassee für die Fernheizung gebaut. Diese Bauarbeiten werden archäologisch begleitet.

Bei den aktuellen Untersuchungen dokumentierte das Team der Archäologischen Bodenforschung Reste der mittelalterlichen Bebauung, die vermutlich nach einem Quartierbrand im Jahr 1377 abgebrochen wurde.
Die Keller waren mit Brandschutt verfüllt und enthielten viele aussergewöhnliche Funde, z.B. ein Handwaschgefäss (Aquamanile) und eine Gussform.
Funde vom Marktplatz: Das Giessgefäss (Aquamanile) in Form eines Löwen benutzte man in besseren Haushalten zum Händewaschen bei Tisch vor dem Essen.
Mit der steinernen Gussform konnten pro Arbeitsvorgang gleich 5 verschiedene Motive aus Bunt- oder Edelmetallen produziert werden. Es handelt sich vermutlich um Schmuckstücke, die auf Textilien aufgenäht wurden. Deutlich erkennbar ist der Zuflusskanal für das flüssige Metall.
Das unter einer Kellermauer gefundene Architekturfragment war ursprünglich unter dem Dach eines römischen Tempels oder eines anderen monumentalen Steinbaus verbaut gewesen.

Hier graben wir aus

Barfüssergasse, Streitgasse, Kaufhausgasse und Freie Strasse
CH-4051 Basel

In den Jahren 2020 bis 2024 werden in der Freien Strasse und deren Seitengassen verschiedene Werkleitungen für Trink- und Abwasser, Elektrizität sowie Telekom saniert und auch ein neues Trassee für die Fernheizung gebaut. Die umfangreichen Werkleitungsbauten finden in einer archäologisch sensiblen und bisher weitgehend unerforschten Zone statt. Insbesondere die neuen Abschnitte der Fernwärme und Teile der Kanalisation werden tief in bisher unberührte Bereiche verlegt.

Von alten Plänen wissen wir, dass die Freie Strasse und ihre Seitengassen vor 1900 viel enger waren als heute. In der heutigen Strasse sind daher Mauern der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bebauung zu erwarten. Zu erwähnen ist insbesondere das sogenannte «Spital an den Schwellen» zwischen Streitgasse und Barfüssergasse, das urkundlich seit den 1260er Jahren belegt ist und 1843/44 abgerissen wurde. Das Spital war für Bedürftige aller Art und mittellose Kranke gedacht.

Im vorderen, an der Freien Strasse liegenden Teil des Spitals befanden sich eine Heilanstalt, das Pfrundhaus («Altenheim»), Zimmer für die Verwaltung sowie eine Gebärabteilung und ein Betsaal. In der Zeit nach der Reformation diente der Kreuzgarten des nahen Barfüsserklosters als Spitalfriedhof. Mit dem Bau des Bürgerspitals 1842 an der Hebelstrasse (beim heutigen Universitätsspital) konnte das den modernen Bedürfnissen des Gesundheitswesens längst nicht mehr entsprechende Spital hinter der Barfüsserkirche ersetzt werden.

Frühere Ausgrabungen in der Umgebung haben zudem gezeigt, dass in der Freien Strasse auch mit älteren Befunden wie etwa einer römerzeitlichen Strasse gerechnet werden muss.

Bauetappe 2022

An der Freien Strasse erfolgt zurzeit  eine weitere Etappe des Ausbaus der Fernwärme bis zum Marktplatz. Die Freie Strasse als eine der ältesten Hauptachsen Basels war seit jeher wirtschaftliches Zentrum und kann bis ins 1. Jahrhundert n. Chr. zurückverfolgt werden. Entlang der Strasse befanden sich römische und frühmittelalterliche Wirtschaftsbauten. Aus dem Spätmittelalter und der frühen Neuzeit werden immer wieder Gebäude- und Kellermauern der ehemals schmaleren Strasse angetroffen.

Besonders spannend war ein Bereich am Marktplatz, in dem überaus fundreiche, mit Brandschutt verfüllte Keller des 13./14. Jahrhundert freigelegt wurden. Darin kamen auch für das Ausgrabungsteam nicht alltägliche Funde zum Vorschein, z. B. ein mittelalterliches Handwaschgefäss (Aquamanile), und es gibt Hinweise auf metallverarbeitende Gewerbe, wie z. B. eine mittelalterliche Gussform. Der Marktplatz war im Spätmittelalter noch viel kleiner als heute. Nach einem Brand im Jahr 1377 liess der Rat zwölf Liegenschaften niederreisen, die sich am Südende zwischen dem damals noch offenen Birsig und der unteren Freien Strasse befanden, um den Platz zu vergrössern. Bei der Ausgrabung werden deshalb immer wieder Reste dieser Häuser angetroffen. Ob die Brandschichten mit dem Quartierbrand von 1377 in Verbindung gebracht werden können oder von einem anderen Ereignis, z. B. vom Basler Erdbeben von 1356 stammen, muss offen bleiben.

Beim Abbruch einer spätmittelalterlichen/frühneuzeitlichen Kellermauer in der Freien Strasse kam im Fundamentbereich ein römisches Architekturfragment zum Vorschein. Der sorgfältig gearbeitete Stein mit Fries gehörte ursprünglich zu einem römischen Tempel oder einem anderen monumentalen Steinbau. In Basel haben wir bisher keine Hinweise auf solch klassische Monumentalbauten des 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. Römische Architekturteile finden sich aber immer wieder sekundär verbaut in die spätantike Befestigungsmauer auf dem Münsterhügel. Die Mehrheit der wiederverwendeten Bauteile wurde vermutlich von Augusta Raurica auf dem Rhein nach Basel transportiert, um während den Unruhen des 3. Jahrhunderts rasch eine Befestigung zu errichten. Aus den Schriftquellen ist bekannt, dass auch im Mittelalter in den römischen Ruinen in Augst regelmässig «Steine gebrochen» wurden.

Bauetappen 2020/21

Erwartungsgemäss stiess man in den ersten Bauetappen immer wieder auf Keller- und Gebäudemauern aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit. Vom «Spital an den Schwellen» wurden sowohl in der Freien Strasse als auch in der Barfüssergasse Mauern sowie ein Stück Tonplattenboden freigelegt. Diese archäologischen Befunde lassen sich gut mit dem aus dem Merianplan bekannten Grundrissen in Übereinstimmung bringen. Eher überraschend waren zwei Bestattungen, bei denen es sich vermutlich um verstorbene Insassen des Spitals handelt.

In einem der Leitungsgräben wurde eine Feuerstelle angeschnitten, die wahrscheinlich ins Frühmittelalter datiert. In Erdschichten unterhalb der Feuerstelle kam eine – noch nicht näher bestimmte – römische Münze zum Vorschein. Mit deren Hilfe sollte die Feuerstelle genauer datiert werden können. Die in und um die Feuerstelle gefundenen Knochen weisen teilweise Schnittspuren auf. Das passt zur Verarbeitung von Fleisch und deutet zusammen mit Resten von Obststeinen auf eine Benutzung des Ortes als Kochstelle hin.

Zudem entdeckte man in einem weiteren Leitungsgraben die Überreste einer mehrphasigen Strasse, die von der römischen Zeit bis ins 12. Jahrhundert n. Chr. benutzt wurde. Insgesamt neun Mal hatte man die Strasse, immer wenn sie nicht mehr repariert werden konnte, komplett erneuert – ähnlich wie bei einer heutigen Strasse, bei der die beschädigte alte Asphaltschicht mit einer neuen überdeckt wird.

Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis 2024 und finden in mehreren Etappen statt.

Der Kantonsarchäologe Guido Lassau hat über die Ausgrabungen in der Freien Strasse mit dem Regionaljournal Basel gesprochen.

mehr Infos

Informieren Sie sich hier über Ausgrabungen der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt

mehr Infos

Laden Sie den App-Audioguide auf Ihr Smartphone und erleben Sie eine Zeitreise durch 3000 Jahre Basel

mehr Infos
Die Überreste der Mauer und des Tonplattenbodens gehören vermutlich zum «Spital an den Schwellen».
Ansicht des «Spitals an den Schwellen» auf dem Merianplan von 1615.
Eines der neu entdeckten Skelette. Das aufgedeckte Skelett, dessen unterer Teil durch einen modernen Graben bereits zerstört worden ist, gehört vermutlich zu einem Insassen des «Spitals an den Schwellen».
Grundriss des 1843/44 abgerissenen «Spitals an den Schwellen» sowie die heutige Situation und die Grabungsflächen.
Die Überreste eines Tonplattenbodens vom «Spital an den Schwellen».
Blick vom Barfüsserplatz in die ehemalige Spitalgasse auf die hintere Seite des «Spitals an den Schwellen». Ansicht nach Constantin Guise, ca. 1840. Bild: StABS AL 45, 9-23-3.

Wir sichern der Vergangenheit

die Zukunft

Die Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt ist eine kantonale Fachstelle. Sie setzt sich für die Sicherung und die Pflege des archäologischen Erbes des Kantons ein.

Eine Zeitreise durch 3000 Jahre Basel. Die App der Archäologischen Bodenforschung «Archaeo Tour».

Google Play App Store

Archäologische Bodenforschung
des Kantons Basel-Stadt
Petersgraben 11, 4051 Basel
+41 61 267 23 55
arch.bodenforschung@bs.ch

www.archaeologie.bs.ch